Phase 5
Teil 5

Verkauf oder Exit: Welche Optionen es gibt

Von Theo Saubert2 Min. LesezeitFachlich geprüft am

Auf den Punkt

Planen Sie einen Exit für Ihren Nebenerwerb. Machen Sie Ihr Business verkaufbar und erfahren Sie, wie die Unternehmensbewertung erfolgt (2- bis 4-facher Gewinn).

Du hast über Monate oder Jahre etwas aus dem Nichts aufgebaut. Dein Nebenerwerb wirft Gewinne ab, hat feste Kunden und eine bekannte Marke. Doch vielleicht willst du dich neuen Projekten widmen oder einfach die Früchte deiner Arbeit ernten. Ein „Exit“ ist nicht nur etwas für Silicon-Valley-Giganten. Auch ein kleines Nebengeschäft kann für Käufer extrem attraktiv sein. So machst du Kasse.

1. Das Business "verkaufbar" machen: Der Unabhängigkeits-Test

Der größte Wertkiller in einem Nebenerwerb bist du selbst. Wenn das Business nur läuft, weil du die E-Mails schreibst, dudas Gesicht der Marke bist und du jedes Problem löst, ist es für einen Käufer wertlos. Damit jemand Geld für dein Unternehmen zahlt, muss es als System funktionieren. Dokumentiere deine Prozesse so, dass ein Fremder sie übernehmen kann. Ein verkaufbares Business ist eine Maschine, die ohne den Erfinder weiterläuft.

2. Unternehmensbewertung: Was ist dein Fleiß wirklich wert?

Im Bereich der kleinen Unternehmen (Micro-Businesses) wird der Wert meist über das „Multiple“ des Gewinns berechnet. Eine Faustregel für digitale Nebenerwerbe oder kleine Service-Betriebe ist das 2- bis 4-fache des jährlichen Reingewinns (EBITDA). Hast du 10.000 € Gewinn pro Jahr, könnte dein Exit zwischen 20.000 € und 40.000 € liegen. Faktoren wie eine wachsende E-Mail-Liste, hohe Automatisierung oder exklusive Verträge treiben den Multiplikator nach oben.

Berater-Weisheit: "Ein Käufer kauft nicht deine Vergangenheit, sondern seine Zukunft. Je weniger er dich braucht, um diese Zukunft zu sichern, desto höher ist der Preis."

3. Käufergruppen: Wer klopft bei dir an?

Es gibt drei typische Profile:

Strategische Investoren: Unternehmen, die deine Kunden oder deine Technik brauchen, um ihr eigenes Geschäft zu ergänzen.

Konkurrenten: Mitbewerber, die durch dich schneller wachsen wollen.

Andere Gründer: Menschen, die einen fertigen Nebenerwerb suchen, statt selbst bei Null anzufangen (oft über Plattformen wie Flippa oder Empire Flippers).

4. Der Asset-Deal: Einzelteile statt Ganzes

Oft ist es einfacher, nicht die ganze Firma (den rechtlichen Mantel) zu verkaufen, sondern nur die werthaltigen Teile – den sogenannten Asset-Deal. Dazu gehören deine Kundenliste, die Domain, Markenrechte, fertige Online-Kurse oder spezielle Software-Lizenzen. Das ist steuerlich und rechtlich oft unkomplizierter für beide Seiten, da der Käufer keine alten Haftungsrisiken übernimmt.

5. Vorbereitung auf den Exit: Zahlen lügen nicht

Kein Verkauf ohne "Due Diligence" (Prüfung auf Herz und Nieren). Du brauchst saubere Finanzen. Trenne private Ausgaben strikt vom Business. Eine ordentliche Dokumentation deiner Einnahmen und Ausgaben der letzten 24 Monate ist deine wichtigste Verhandlungsgrundlage. Wer seine Zahlen nicht erklären kann, verliert sofort das Vertrauen des Käufers.

Ihr nächster Schritt in Phase 5

  1. 1Bestimmen Sie die Kennzahl, an der Sie Wachstum messen wollen.
  2. 2Legen Sie fest, welche Aufgabe Sie zuerst abgeben oder automatisieren.
  3. 3Definieren Sie die Schwelle, ab der der Haupterwerb rechnerisch tragfähig ist.

Branchen-Linse

Sicht: Mentaltrainer

Die Beiträge bleiben gleich – Einordnung, Stolperfallen und Vorauswahl wechseln mit der Branche. Sie können jederzeit umschalten oder die Linse entfernen.

Branchen-Spezial · Mentaltrainer

Mentaltraining ist der ortsunabhängigste Nebenerwerb dieser Gruppe: Sitzungen laufen online oder in gemieteten Räumen, die Investitionen sind niedrig, die Skalierung über Gruppen und digitale Formate ist einfach. Genau deshalb ist der Markt unübersichtlich und die Bezeichnung ungeschützt. Zwei Punkte entscheiden über Tragfähigkeit und Rechtssicherheit: eine belastbare Ausbildung mit erkennbarem Standard – und die strikte Abgrenzung zur Psychotherapie, die ohne Approbation oder Heilpraktikererlaubnis für Psychotherapie verboten ist.

Für Phase 5: Wachstum läuft über Gruppenprogramme, Firmenworkshops und digitale Kurse. Digitale Produkte sind umsatzsteuerlich elektronische Dienstleistungen, Firmenaufträge verlangen Rechnungen mit Steuerausweis – spätestens hier endet die Kleinunternehmerregelung sinnvollerweise.

Typische Rechtsform
Einzelunternehmen; bei überwiegend unterrichtender Tätigkeit kann Freiberuflichkeit geprüft werden
Status
Eigene Klienten, Firmenaufträge, Kooperation mit Vereinen – Mischung ist der Normalfall
Regulatorisch
Bezeichnung ungeschützt; Heilkunde und Psychotherapie ohne Approbation/Heilpraktiker-Psychotherapie unzulässig
Pflichtversicherung
Berufs- und Betriebshaftpflicht für Beratungstätigkeit inklusive Vermögensschäden
Liquiditätsfalle
Teure Ausbildungen und Zertifikate vor dem ersten zahlenden Klienten
Steuerlich
Coaching ist umsatzsteuerpflichtig; Kleinunternehmerregelung am Start meist sinnvoll
Typische Kunden
Wettkampfsportler, Nachwuchskader, Führungskräfte, Prüfungskandidaten, Firmen für Resilienzworkshops
Fördermittel
Gründungszuschuss/AVGS; Firmenkunden nutzen teils Weiterbildungsförderung – für Sie ist das ein Vertriebsargument
Startinvestition
ab rund 300 € (Videokonferenz-Ausstattung, Website, Materialien); Hauptkosten sind Ausbildung und Supervision

Gruppen, Firmen und digitale Produkte

Der einfachste Skalierungsschritt ist das Gruppenprogramm: sechs bis acht Teilnehmende über mehrere Wochen, gleicher Vorbereitungsaufwand, deutlich höherer Ertrag je Termin.

Firmenkunden zahlen Tagessätze und binden mehrere Termine – dafür brauchen Sie Rechnungen mit Steuerausweis, Angebotsunterlagen und in der Regel eine Betriebshaftpflicht mit ausreichender Deckungssumme.

Digitale Kurse und Audioprogramme laufen ohne Ihre Anwesenheit weiter, gelten aber als elektronische Dienstleistungen: bei Privatkunden im EU-Ausland greift das OSS-Verfahren, und Widerrufsrecht sowie Informationspflichten im Fernabsatz sind zwingend zu beachten.

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