Phase 3
Teil 4

Was passiert, wenn du krank bist?

Von Theo Saubert2 Min. LesezeitFachlich geprüft am

Auf den Punkt

Bereiten Sie Ihren Nebenerwerb auf Krankheitsfälle vor. Verstehen Sie, dass es keine Lohnfortzahlung gibt und wie Sie Kunden bei Krankheit professionell informieren.

Im Hauptjob ist die Sache einfach: Du rufst morgens an, meldest dich krank und fällst ins Bett. Das Gehalt läuft weiter. Im Nebenerwerb sieht die Realität deutlich härter aus. Hier bist du der Chef, der Mitarbeiter und der Auszubildende in Personalunion. Wer diese Tatsache ignoriert, erlebt bei der ersten schweren Grippe ein böses Erwachen.

1. Der finanzielle Cut: Keine Lohnfortzahlung im Nebenerwerb

Die Mathematik ist gnadenlos: Wenn du als Solo-Selbstständiger deine Leistung nicht erbringst, kannst du keine Rechnung stellen. Es gibt keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für dein Business. Wenn du 14 Tage flachliegst, verlierst du nicht nur Zeit, sondern bares Geld. Deshalb ist ein finanzieller Puffer auf deinem Geschäftskonto (idealerweise für drei bis sechs Monate Fixkosten) überlebenswichtig.

2. Kommunikations-Krise: Kunden professionell vertrösten

Nichts hassen Kunden mehr als Funkstille. Wenn du krank wirst, musst du kommunizieren – aber richtig. Eine ehrliche, knappe Nachricht ist tausendmal besser als Ghosting oder das Abliefern von schlechter Arbeit unter Fieber. Bereite für den Ernstfall eine Vorlage vor: "Lieber Kunde, ich bin gesundheitlich unerwartet ausgefallen. Ihr Projekt verschiebt sich voraussichtlich um X Tage. Ich melde mich am [Datum] mit einem Update." Das strahlt Professionalität aus, selbst in der Krise.

Zitierbare Weisheit: „Kunden verzeihen Krankheit, aber sie verzeihen kein Chaos. Deine Professionalität zeigt sich nicht, wenn alles glattläuft, sondern wie du kommunizierst, wenn du flachliegst.“

3. System-Resilienz: Kann das Business zwei Wochen ohne dich laufen?

Ein Nebenerwerb, der bei deinem Ausfall sofort implodiert, ist ein fragiles Konstrukt. Arbeite an der System-Resilienz: Welche Prozesse lassen sich automatisieren? Terminbuchungen, automatisierte Rechnungsstellung oder E-Mail-Sequenzen können weiterlaufen, während du dich erholst. Je mehr Systeme unabhängig von deiner physischen Präsenz funktionieren, desto ruhiger kannst du schlafen.

4. Refunds und Vertragsstrafen: Wenn Deadlines platzen

Besonders bei B2B-Kunden gibt es oft harte Deadlines. Wenn du vertraglich zugesicherte Fristen wegen Krankheit reißt, drohen im schlimmsten Fall Schadensersatzforderungen oder Rückerstattungen (Refunds). Beuge dem vor, indem du in deinen Verträgen und AGB klare Klauseln für den Fall von "Höherer Gewalt" oder krankheitsbedingtem Ausfall verankerst, die dich rechtlich absichern.

5. Die psychologische Falle: Das schlechte Gewissen im Bett

Die größte Gefahr für Gründer ist nicht der Virus, sondern der eigene Kopf. Wer mit 39 Grad Fieber und schlechtem Gewissen im Bett liegt und heimlich E-Mails beantwortet, wird nicht gesund. Im Gegenteil: Du verschleppst die Krankheit, machst Fehler und fehlst am Ende noch länger. Lerne, das Loslassen als unternehmerische Notwendigkeit zu akzeptieren. Ausruhen ist in diesem Moment deine wichtigste Management-Aufgabe.

Ihr nächster Schritt in Phase 3

  1. 1Erstellen Sie Ihre persönliche Reihenfolge der Anmeldungen und Fristen.
  2. 2Klären Sie Umsatzsteuer, Rücklage für Einkommensteuer und Buchhaltungsweg.
  3. 3Prüfen Sie Haftung und Versicherungsschutz für Ihre konkrete Tätigkeit.

Branchen-Linse

Sicht: Mentaltrainer

Die Beiträge bleiben gleich – Einordnung, Stolperfallen und Vorauswahl wechseln mit der Branche. Sie können jederzeit umschalten oder die Linse entfernen.

Branchen-Spezial · Mentaltrainer

Mentaltraining ist der ortsunabhängigste Nebenerwerb dieser Gruppe: Sitzungen laufen online oder in gemieteten Räumen, die Investitionen sind niedrig, die Skalierung über Gruppen und digitale Formate ist einfach. Genau deshalb ist der Markt unübersichtlich und die Bezeichnung ungeschützt. Zwei Punkte entscheiden über Tragfähigkeit und Rechtssicherheit: eine belastbare Ausbildung mit erkennbarem Standard – und die strikte Abgrenzung zur Psychotherapie, die ohne Approbation oder Heilpraktikererlaubnis für Psychotherapie verboten ist.

Für Phase 3: Pflichtprogramm: Gewerbeanzeige, Berufshaftpflicht mit Vermögensschäden, schriftlicher Coachingvertrag mit Leistungsbeschreibung, Absageregel und ausdrücklichem Therapieausschluss, Vertraulichkeitszusage sowie Datenschutzkonzept für Sitzungsnotizen.

Typische Rechtsform
Einzelunternehmen; bei überwiegend unterrichtender Tätigkeit kann Freiberuflichkeit geprüft werden
Status
Eigene Klienten, Firmenaufträge, Kooperation mit Vereinen – Mischung ist der Normalfall
Regulatorisch
Bezeichnung ungeschützt; Heilkunde und Psychotherapie ohne Approbation/Heilpraktiker-Psychotherapie unzulässig
Pflichtversicherung
Berufs- und Betriebshaftpflicht für Beratungstätigkeit inklusive Vermögensschäden
Liquiditätsfalle
Teure Ausbildungen und Zertifikate vor dem ersten zahlenden Klienten
Steuerlich
Coaching ist umsatzsteuerpflichtig; Kleinunternehmerregelung am Start meist sinnvoll
Typische Kunden
Wettkampfsportler, Nachwuchskader, Führungskräfte, Prüfungskandidaten, Firmen für Resilienzworkshops
Fördermittel
Gründungszuschuss/AVGS; Firmenkunden nutzen teils Weiterbildungsförderung – für Sie ist das ein Vertriebsargument
Startinvestition
ab rund 300 € (Videokonferenz-Ausstattung, Website, Materialien); Hauptkosten sind Ausbildung und Supervision

Vertrag, Vertraulichkeit und Datenschutz

Der Coachingvertrag regelt Leistungsbeschreibung, Anzahl und Dauer der Sitzungen, Honorar, Absagefrist (üblich 24–48 Stunden), Vertraulichkeit und ausdrücklich: keine Heilbehandlung, keine Erfolgsgarantie.

Sitzungsnotizen enthalten hochsensible Angaben. Speichern Sie verschlüsselt, vergeben Sie Pseudonyme, legen Sie eine Löschfrist fest und nutzen Sie Videokonferenzdienste mit Auftragsverarbeitungsvertrag.

Bei Minderjährigen im Sport brauchen Sie die Einwilligung der Sorgeberechtigten und eine klare Regel, was dem Trainerstab berichtet wird und was nicht – diese Erwartung wird sonst zwangsläufig enttäuscht.

Beitrag 85 von 165 im empfohlenen Lesepfad