Phase 3
Teil 5

Handwerk (und handwerksnahe Dienstleistungen)

Von Theo Saubert2 Min. LesezeitFachlich geprüft am

Auf den Punkt

Informieren Sie sich über die Meisterpflicht für Ihr Handwerk (Anlage A/B) und die Mitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft, um Fehler zu vermeiden.

Handwerk hat goldenen Boden – aber auch ein engmaschiges Geflecht aus Vorschriften. Wer im Nebenerwerb den Hammer schwingt, muss wissen, wo die Freiheit endet.

1. Die Handwerksrolle: Meisterpflicht beachten

In Deutschland herrscht für viele Berufe (Anlage A, z. B. Elektriker, Maurer) die Meisterpflicht. Ohne Meisterbrief darfst du dich in diesen Bereichen nicht selbstständig machen – auch nicht im Nebenerwerb. In Anlage B (z. B. Fliesenleger, Fotografen) ist die Gründung meist zulassungsfrei möglich. Ein Blick in die Handwerksordnung ist die erste Bürgerpflicht.

2. Berufsgenossenschaft: Die gesetzliche Unfallversicherung

Sobald du ein Handwerk anmeldest, meldet sich die Berufsgenossenschaft (BG). Die Mitgliedschaft ist oft Pflicht, auch wenn du keine Angestellten hast. Sie schützt dich bei Arbeitsunfällen, kostet aber einen jährlichen Beitrag, den du fest einplanen musst.

3. Gewährleistung (VOB vs. BGB)

Als Handwerker haftest du für deine Arbeit. Nach BGB beträgt die Gewährleistung bei Bauwerken meist 5 Jahre. Das bedeutet: Wenn die Fliese nach 4 Jahren abfällt, musst du kostenlos nachbessern. Verstehe den Unterschied zwischen BGB-Verträgen und der VOB/B, die im B2B-Bereich oft Standard ist.

Zitierbare Weisheit: „Qualität ist, wenn der Kunde zurückkommt und nicht das Produkt. Im Handwerk haftest du für dein Werk – oft länger, als dir lieb ist.“

4. Gefahrengeneigte Arbeit: Warum Haftpflicht hier teurer ist

Ein Programmierer löscht Daten, ein Handwerker verursacht durch einen lötbedingten Funkenflug einen Dachstuhlbrand. Das Risiko für Sach- und Personenschäden ist im Handwerk immens höher. Spare niemals an der Betriebshaftpflicht, die exakt deine ausgeübten Tätigkeiten abdeckt.

5. Abgrenzung zum Hausmeisterservice

Viele Allrounder gründen einen "Hausmeisterservice", um die Meisterpflicht zu umgehen. Aber Vorsicht: Ein Hausmeister darf nur einfache Instandsetzungen durchführen (z. B. Glühbirnen wechseln, Rasen mähen). Sobald du Wände verputzt oder Rohre verlegst, bist du im Bereich der zulassungspflichtigen Handwerke und riskierst Ärger mit der Handwerkskammer.

Ihr nächster Schritt in Phase 3

  1. 1Erstellen Sie Ihre persönliche Reihenfolge der Anmeldungen und Fristen.
  2. 2Klären Sie Umsatzsteuer, Rücklage für Einkommensteuer und Buchhaltungsweg.
  3. 3Prüfen Sie Haftung und Versicherungsschutz für Ihre konkrete Tätigkeit.

Branchen-Linse

Sicht: Mentaltrainer

Die Beiträge bleiben gleich – Einordnung, Stolperfallen und Vorauswahl wechseln mit der Branche. Sie können jederzeit umschalten oder die Linse entfernen.

Branchen-Spezial · Mentaltrainer

Mentaltraining ist der ortsunabhängigste Nebenerwerb dieser Gruppe: Sitzungen laufen online oder in gemieteten Räumen, die Investitionen sind niedrig, die Skalierung über Gruppen und digitale Formate ist einfach. Genau deshalb ist der Markt unübersichtlich und die Bezeichnung ungeschützt. Zwei Punkte entscheiden über Tragfähigkeit und Rechtssicherheit: eine belastbare Ausbildung mit erkennbarem Standard – und die strikte Abgrenzung zur Psychotherapie, die ohne Approbation oder Heilpraktikererlaubnis für Psychotherapie verboten ist.

Für Phase 3: Pflichtprogramm: Gewerbeanzeige, Berufshaftpflicht mit Vermögensschäden, schriftlicher Coachingvertrag mit Leistungsbeschreibung, Absageregel und ausdrücklichem Therapieausschluss, Vertraulichkeitszusage sowie Datenschutzkonzept für Sitzungsnotizen.

Typische Rechtsform
Einzelunternehmen; bei überwiegend unterrichtender Tätigkeit kann Freiberuflichkeit geprüft werden
Status
Eigene Klienten, Firmenaufträge, Kooperation mit Vereinen – Mischung ist der Normalfall
Regulatorisch
Bezeichnung ungeschützt; Heilkunde und Psychotherapie ohne Approbation/Heilpraktiker-Psychotherapie unzulässig
Pflichtversicherung
Berufs- und Betriebshaftpflicht für Beratungstätigkeit inklusive Vermögensschäden
Liquiditätsfalle
Teure Ausbildungen und Zertifikate vor dem ersten zahlenden Klienten
Steuerlich
Coaching ist umsatzsteuerpflichtig; Kleinunternehmerregelung am Start meist sinnvoll
Typische Kunden
Wettkampfsportler, Nachwuchskader, Führungskräfte, Prüfungskandidaten, Firmen für Resilienzworkshops
Fördermittel
Gründungszuschuss/AVGS; Firmenkunden nutzen teils Weiterbildungsförderung – für Sie ist das ein Vertriebsargument
Startinvestition
ab rund 300 € (Videokonferenz-Ausstattung, Website, Materialien); Hauptkosten sind Ausbildung und Supervision

Vertrag, Vertraulichkeit und Datenschutz

Der Coachingvertrag regelt Leistungsbeschreibung, Anzahl und Dauer der Sitzungen, Honorar, Absagefrist (üblich 24–48 Stunden), Vertraulichkeit und ausdrücklich: keine Heilbehandlung, keine Erfolgsgarantie.

Sitzungsnotizen enthalten hochsensible Angaben. Speichern Sie verschlüsselt, vergeben Sie Pseudonyme, legen Sie eine Löschfrist fest und nutzen Sie Videokonferenzdienste mit Auftragsverarbeitungsvertrag.

Bei Minderjährigen im Sport brauchen Sie die Einwilligung der Sorgeberechtigten und eine klare Regel, was dem Trainerstab berichtet wird und was nicht – diese Erwartung wird sonst zwangsläufig enttäuscht.

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