Phase 2
Teil 4

Welche Kosten bei einer Nebenerwerbsgründung entstehen

Von Theo Saubert2 Min. LesezeitFachlich geprüft am

Auf den Punkt

Informieren Sie sich über die genauen Kosten einer Nebenerwerbsgründung. Von Gewerbeanmeldung bis zu Fixkosten wie Software-Abos – behalten Sie den Überblick.

„Einfach mal anfangen kostet ja nichts!“ – Ein schöner Gedanke, der leider selten stimmt. Auch das kleinste Business braucht ein finanzielles Fundament. Wer seine Kosten von Tag eins an nicht im Griff hat, arbeitet im schlimmsten Fall nur für seine Software-Anbieter. Hier ist die ehrliche Kostenaufstellung für deinen Start.

1. Einmalkosten: Gründung, Gebühren, Basisequipment

Der Startschuss kostet Geld. Die Gewerbeanmeldung schlägt mit 20 bis 60 Euro zu Buche. Dazu kommen oft ein professionelles Logo (ab 50 Euro), vielleicht ein neuer Laptop, eine gute Kamera oder erstes Werkzeug. Auch rechtliche Absicherungen wie AGBs oder ein Impressumsschutz vom Anwalt (ca. 200 bis 300 Euro) gehören zu den Gründungskosten.

2. Fixkosten: Software-Abos, Versicherungen, Kontoführung

Das sind die stillen Killer deiner Profitabilität. Jeden Monat buchen sie ab: Das Geschäftskonto (10 Euro), das Buchhaltungstool (15 Euro), das Website-Hosting (10 Euro), Canva Pro (12 Euro) und – ganz wichtig – die Betriebshaftpflichtversicherung (ab 15 Euro). Schwupps, schon bist du bei über 60 Euro im Monat, ohne auch nur einen Kunden zu haben.

Zitierbare Weisheit: „Fixkosten sind wie Unkraut im Garten deines Gewinns. Wenn du sie nicht regelmäßig stutzt, überwuchern sie deine Ernte.“

3. Variable Kosten: Marketing, Material, Versand

Diese Kosten steigen (zum Glück), wenn dein Umsatz steigt. Verkaufst du physische Produkte, musst du Material nachkaufen, Verpackungen bezahlen und Portokosten tragen. Auch Werbung auf Google oder Facebook (Ads) gehört hierher. Der Trick ist, diese variablen Kosten immer sauber in deine Preise einzukalkulieren.

4. Steuerliche Rücklagen: Warum man ca. 30-40% des Gewinns sofort parken sollte

Der größte Anfängerfehler: Du hast 2.000 Euro auf dem Geschäftskonto und fährst davon in den Urlaub. Falsch! Das Geld gehört zu einem großen Teil dem Finanzamt. Gewöhne dir an, jeden Monat 30 bis 40 Prozent deines Gewinns strikt auf ein separates Tagesgeldkonto zu überweisen. Wenn im Folgejahr der Steuerbescheid kommt, kannst du darüber nur müde lächeln.

Zitierbare Weisheit: „Der Kontostand deines Unternehmens ist nicht dein Vermögen, sondern ein Zwischenspeicher. Wer Steuern nicht als Kosten einplant, plant seine eigene Insolvenz.“

Zitat Saubert „Reich wird man vom Geld, was man nicht ausgibt. Erfolgreiche Unternehmer haben immer Angst, dass das Geld auf dem Konto nicht Ihnen gehört und. Geben deshalb weniger Geld aus.“

5. Die „Zeit-Kosten“: Kalkulatorischer Unternehmerlohn

Du rechnest dir aus, dass dein Produkt in der Herstellung nur 5 Euro kostet und du es für 20 Euro verkaufst? Toll! Aber hast du die zwei Stunden eingerechnet, die du für Bau, Verpackung und Gang zur Post gebraucht hast? Deine eigene Zeit ist der größte Kostenfaktor. Setze dir fiktiv einen „Unternehmerlohn“ an, um zu prüfen, ob dein Modell wirklich wirtschaftlich ist.

Ihr nächster Schritt in Phase 2

  1. 1Beschreiben Sie Ihr Angebot in einem Satz: Wer bekommt welches Ergebnis?
  2. 2Rechnen Sie Stundensatz, Fixkosten und realistische Auftragsmenge durch.
  3. 3Sprechen Sie mit drei möglichen Kunden, bevor Sie investieren.

Branchen-Linse

Sicht: Fitnesstrainer

Die Beiträge bleiben gleich – Einordnung, Stolperfallen und Vorauswahl wechseln mit der Branche. Sie können jederzeit umschalten oder die Linse entfernen.

Branchen-Spezial · Fitnesstrainer

Fitnesstraining ist der klassische Einstieg in den sportlichen Nebenerwerb: Kurse laufen früh morgens, abends und am Wochenende, das Haupteinkommen bleibt zunächst die Festanstellung. Der entscheidende Punkt ist die Abgrenzung zur Scheinselbständigkeit, wenn Sie überwiegend für ein einziges Studio auf Honorarbasis arbeiten. Dazu kommen Qualifikationsnachweise (mindestens Trainer-B-Lizenz), die Grenze zwischen Training und Heilbehandlung sowie eine belastbare Kalkulation je Trainingsstunde inklusive Anfahrt.

Für Phase 2: Rechnen Sie mit Anfahrt und Umziehzeit: Eine Personal-Training-Einheit von 60 Minuten kostet Sie realistisch 90 Minuten. Zehnerkarten und Monatspakete verbessern die Planung, sind aber Verbindlichkeiten – reservieren Sie den Anteil, der noch abtrainiert werden muss.

Typische Rechtsform
Einzelunternehmen bzw. Kleingewerbe; Personal Training häufig freiberuflich-ähnlich, aber meist Gewerbe
Status
Honorartrainer im Studio oder eigene Kunden – die Mischung ist üblich, muss aber sauber getrennt werden
Regulatorisch
Trainer-B-Lizenz als Marktstandard, Erste-Hilfe-Kurs, keine Heilbehandlung ohne Heilpraktiker- oder Therapieberuf
Pflichtversicherung
Betriebshaftpflicht mit Einschluss Personenschäden beim Training; Berufsunfähigkeit für den Körper als Kapital
Liquiditätsfalle
Verkaufte 10er-Karten sind bereits vereinnahmtes, aber noch nicht geleistetes Geld
Steuerlich
Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) am Start; Fahrtkosten und Ausrüstung konsequent erfassen
Typische Kunden
Berufstätige 30–60, Rehanachsorge ohne Therapieanspruch, Firmen für Bewegte Pause
Fördermittel
Gründungszuschuss/AVGS; Präventionskurse nach § 20 SGB V nur mit anerkannter Grundqualifikation
Startinvestition
ab rund 800 € (Matten, Bänder, Kettlebells, Faszienrollen) – Studio-Infrastruktur wird gemietet

Preise, Pakete und die Zehnerkarten-Falle

Orientierungswerte im Nebenerwerb: Personal Training 60–90 € je Einheit beim Kunden, 50–70 € im Studio, Kleingruppe zu dritt 25–35 € je Person, offener Kurs 8–15 € je Teilnehmer. Unter 50 € Einzelstunde trägt sich die Anfahrt selten.

Pakete verkaufen sich besser als Einzelstunden, sind aber Vorauszahlungen auf künftige Arbeit. Führen Sie eine einfache Liste über offene Einheiten und behandeln Sie das Geld gedanklich als Schuld – wer davon Ausrüstung kauft, arbeitet später umsonst.

Kalkulieren Sie Ausfallzeiten ehrlich: Urlaub, Krankheit und Kundenwechsel kosten typischerweise 15–20 % der geplanten Stunden im Jahr.

Besonders relevant für Fitnesstrainer

Beitrag 46 von 165 im empfohlenen Lesepfad