Phase 4
Teil 2

Verkaufen im Nebenerwerb - Warum es vielen schwerfällt

Von Theo Saubert3 Min. LesezeitFachlich geprüft am

Auf den Punkt

Überwinden Sie Verkaufsängste im Nebenerwerb und lernen Sie, Ihre Leistung selbstbewusst anzubieten. Bauen Sie das "Bittsteller"-Mindset ab.

Du hast eine großartige Idee, ein fantastisches Produkt oder eine Dienstleistung, die echten Mehrwert bietet. Dein Nebenerwerb steht in den Startlöchern. Doch dann kommt der Moment, vor dem es vielen Side-Hustlern graut: Du musst verkaufen. Plötzlich schnürt sich die Kehle zu und die Hände werden feucht. Warum ist das so? Als Wirtschaftsjournalist und Berater sehe ich dieses Phänomen täglich. Lass uns die fünf größten Hürden beim Verkaufen im Nebenerwerb analysieren – und abbauen.

1. Das "Bittsteller"-Mindset: Die psychologische Hürde

Viele Gründer im Nebenerwerb fühlen sich insgeheim, als würden sie um einen Gefallen bitten, wenn sie eine Rechnung stellen. Das passiert oft, weil das feste Gehalt aus dem Hauptberuf Sicherheit gibt. Das zusätzliche Geld fühlt sich anfangs an wie ein "Bonus", den man anderen aus der Tasche ziehen muss. Das ist ein fataler Irrtum. Du bettelst nicht um Almosen; du hast Zeit, Energie und Expertise investiert, um etwas Wertvolles zu erschaffen.

Zitierbare Weisheit: "Verkaufen bedeutet nicht, um Geld zu bitten. Es bedeutet, einen fairen Tausch anzubieten: Dein Wert gegen den Gegenwert des Kunden."

2. Angst vor Zurückweisung: Wie das Ego leidet

Wenn ein potenzieller Kunde "Nein" sagt, fühlt sich das für Nebenerwerbsgründer oft wie eine persönliche Ohrfeige an. Im Hauptberuf bist du oft durch die Unternehmensmarke geschützt. Im Nebenerwerb stehst du mit deinem eigenen Namen für dein Angebot. Die Lösung? Entkopple dein Ego von deiner Dienstleistung. Ein "Nein" bedeutet meistens nur: "Nicht jetzt", "Kein Budget" oder "Passt gerade nicht zu meinem Problem". Es ist keine Kritik an dir als Mensch.

Zitierbare Weisheit: "Ein 'Nein' zum Angebot ist kein 'Nein' zu deiner Person, sondern lediglich ein 'Noch nicht' zur Lösung."

3. Fehlende Vertriebs-Routine: Die Macht der Wiederholung

Hauptberufliche Vertriebler führen jeden Tag Verkaufsgespräche. Wenn du deinen Nebenerwerb abends oder am Wochenende betreibst, verkaufst du vielleicht nur einmal im Monat. Wie soll sich da Souveränität aufbauen? Fehlende Praxis führt zu Unsicherheit, und Unsicherheit riecht der Kunde meilenweit. Mache den Vertrieb deshalb zur Chefsache, auch wenn deine Zeit knapp ist. Jedes Gespräch, auch das erfolglose, ist eine kostenlose Trainingsstunde.

4. Die emotionale Falle: Das "Mein Baby"-Syndrom

Dein Nebenerwerb ist dein Herzensprojekt. Du liebst dein Produkt, du hast Nächte dafür geopfert. Diese emotionale Bindung ist fantastisch für die Qualität, aber tödlich für die Preisgestaltung. Wer sein Angebot zu sehr liebt, neigt dazu, es entweder völlig zu überteuern (weil es unbezahlbar erscheint) oder – viel häufiger – es unter Wert zu verkaufen (weil man Angst hat, dass das "Baby" abgelehnt wird). Betrachte dein Angebot im Verkaufsgespräch aus der Vogelperspektive: Was bringt es dem Markt?

5. Paradigmenwechsel: Problemlösung statt Aufschwatzen

Das schlimmste Bild vom Verkaufen ist das des aufdringlichen Staubsaugervertreters an der Haustür. Streiche dieses Bild aus deinem Kopf! Erfolgreiches Verkaufen im Nebenerwerb funktioniert völlig anders. Du drückst niemandem etwas rein, was er nicht braucht. Du scannst den Markt nach Problemen und bietest eine maßgeschneiderte Lösung an. Wenn du diesen Schalter im Kopf umlegst, wird das Verkaufen plötzlich ganz leicht. Du bist dann kein Verkäufer mehr, sondern ein Helfer mit einem Preisschild.

Zitierbare Weisheit: "Hör auf, Produkte zu verkaufen. Fang an, Probleme zu lösen. Wer ein brennendes Problem löst, muss nicht überreden – er wird gebucht."

Ihr nächster Schritt in Phase 4

  1. 1Legen Sie einen festen Wochenrhythmus für Akquise und Umsetzung fest.
  2. 2Prüfen Sie Ihre Preise gegen Zeitaufwand, Kosten und Zielgewinn.
  3. 3Automatisieren Sie zuerst den Schritt, der Ihnen jede Woche Zeit kostet.

Branchen-Linse

Sicht: Fußballschule

Die Beiträge bleiben gleich – Einordnung, Stolperfallen und Vorauswahl wechseln mit der Branche. Sie können jederzeit umschalten oder die Linse entfernen.

Branchen-Spezial · Fußballschule

Eine Fußballschule ist ein klassischer Nebenerwerb: Training findet nachmittags, abends und in den Ferien statt, das stabile Haupteinkommen kommt weiter aus der Festanstellung – die meisten Betreiber bleiben sehr lange nebenberuflich tätig und stehen selbst auf dem Platz. Entscheidend sind vier Dinge: die Abgrenzung zwischen Vereinstätigkeit (Übungsleiterpauschale) und eigenem Gewerbe, gesicherter Zugang zu einem Trainingsplatz, die Aufsichtspflicht gegenüber Minderjährigen und eine faire Kalkulation pro Teilnehmerstunde.

Für Phase 4: Ihre Auslastung kommt aus Vereinen, Schulen und Elternnetzwerken; ergänzend kostenlos Google-Unternehmensprofil und Bing Places pflegen. Ein sauberer Buchungsablauf mit Kursbeschreibung, Preis, Terminen und Stornoregeln ersetzt viel Werbung – bezahlte Anzeigen sind meist nicht nötig.

Typische Rechtsform
Einzelunternehmen bzw. Kleingewerbe, seltener GbR
Status
Gewerbe außerhalb des Vereins; im Verein Übungsleiter ohne Gewerbe
Regulatorisch
Erweitertes Führungszeugnis, Aufsichts- und Fürsorgepflicht, IHK-Pflichtmitgliedschaft
Pflichtversicherung
Betriebshaftpflicht für den Trainingsbetrieb; Unfallschutz der Teilnehmenden klären
Liquiditätsfalle
Wetterausfall, Ferienzeiten ohne Buchungen, Barzahlungen ohne Belege
Steuerlich
Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) meist sinnvoll; Übungsleiterpauschale § 3 Nr. 26 EStG separat
Typische Kunden
Eltern, Vereine, Ganztagsschulen, Freizeiteinrichtungen
Fördermittel
Gründungszuschuss/AVGS bei Arbeitslosigkeit; sonst kaum spezielle Programme
Startinvestition
ab rund 500 € (Hütchen, Leibchen, Bälle) – Fahrzeug meist vorhanden

Kunden gewinnen – ohne Werbebudget

Sprechen Sie Eltern, Vereinsverantwortliche und Kinder in Ihren Vereinen direkt an: klare Bedingungen, klare Preise, klare Perspektive. Große Karriereversprechen schaden mehr, als sie bringen.

Empfehlungsmarketing allein braucht lange. Ergänzen Sie es mit dem kostenlosen Google-Unternehmensprofil (inklusive Verifizierung) und Bing Places: Angebote und Termine pflegen, Fragen beantworten, um Bewertungen bitten und höflich antworten. Bezahlte Anzeigen sind für Fußballschulen selten notwendig.

Neue Teilnehmer kommen oft am schnellsten über Kooperationen – weitere Vereine, Torwartschulen, Freizeiteinrichtungen, Ganztagsschulen.

Zuverlässigkeit als Betriebsprinzip

Der Trainingsbetrieb lebt von verlässlicher Organisation: feste Kommunikationswege für Absagen und Änderungen, pünktlicher Start, vorbereitete Einheiten. Nur wer selbst zuverlässig ist, kann pünktliche Zahlung der Trainingsgebühr einfordern.

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